Psychosoziale Hinweise

Psychosoziale Hinweise auf Alkoholismus

 

So unverständlich sich die seelischen und körperlichen (siehe später) Folgen für die Umgebung und so quälend für den Betroffenen darstellen können, so ist doch nichts so verwirrend und gelegentlich deprimierend wie manche Verhaltensänderungen im zwischenmenschlichen Bereich.

Allerdings muss man gerade hier berücksichtigen, dass derlei nicht nur bei Alkohol, Rauschdrogen u. a., sondern auch bei einer normal-psychologischen Entwicklung mit ihren vielfältigen Krisenzeiten und zwar in jeder Altersstufe vorkommen kann (Pubertät, Nach-Pubertät des Heranwachsenden, Berufs- und Partnerfindung, „Stress in den besten Jahren“, Wechseljahre (die auch den Mann betreffen, wenngleich mit einer zeitlichen Phasen-Verschiebung), Rückbildungsalter u. a.).

Die Entscheidung, einen entgleisten Alkoholkonsum zu unterstellen, sollte aber nie aufgrund einer einzelnen Verhaltensauffälligkeit gefällt werden und – wie erwähnt – schon gar nicht ohne die Unterstützung eines Experten, obgleich das gerade auf diesem Gebiet besonders verlockend erscheint („jetzt wissen wir es“, „jetzt haben wir ihn“).

Nachfolgend einige Hinweise bezüglich Verdacht auf alkoholbedingte Verhaltensauffälligkeiten:

– Wachsende Tendenz, Unannehmlichkeiten zu verdrängen, in Abrede zu stellen oder zumindest zu bagatellisieren

– Geschickte (nach einiger Zeit aber durchschaubare) Art, von Problemen, Misserfolgen, schuldhaftem Vergehen u. a. abzulenken oder die anderen auf eine falsche Fährte zu locken

– Versuch, die Schuld überhaupt nicht oder höchsten zum kleineren Teil bei sich selber zu suchen, wenn es sich um zwischenmenschliche Probleme mit Partner, Kindern, Nachbarn, Arbeitskollegen u. a. handelt

– Krampfhaftes Meiden von Themen, die um Alkohol kreisen, Entrüstung bei entsprechenden Anspielungen

– Zunehmende Isolierung und Einengung der Interessensphäre, gestörte Partnerbeziehung, Vereinsamung, dadurch Gefahr des „ungestörten“ Trinkens bis zum Rausch in den eigenen vier Wänden („4-Wände-Trinken“)

 

warnschild-warnung-vor-einer-gefahrstelle Aber Achtung! Das in letzter Zeit vermehrt beobachtete „Trinken in den eigenen vier Wänden“, also zu Hause, kann auch andere Gründe haben: Zum Beispiel die schlechte Konjunktur und wachsende (Über-)Teuerung vor allem auch alkoholischer Getränke und hier insbesondere in Gastbetrieben, Disco’s, Kneipen u. a. Da kann man für das gleiche Geld im Supermarkt deutlich preiswerter einkaufen, muss aber dann – wie erwähnt – eben auch zu Hause konsumieren. Das wäre an sich „nur“ ein gesellschaftlicher Nachteil, doch darin liegt auch die Gefahr: In der Öffentlichkeit wird kontrollierter getrunken („Jetzt ist es aber genug…“; „…und wie kommst Du jetzt nach Hause?“). Das entfällt natürlich zu Hause – mit allen Risiken. Gleichwohl ist gerade dieses Gebiet besonders ergiebig für entsprechende Beobachtungen, die in der Regel Partner, Eltern, Geschwister, Freunde, Arbeitskollegen, Vorgesetzte u. a. als Erstes aufhorchen lassen

– Anlegen von heimlichen Alkohol-Reserven in allen möglichen und unmöglichen Formen: Flaschen im Papier- und Wäschekorb, in leeren Vasen und Töpfen, hinter Buchreihen, in Schubladen und Schränken, auf Dachboden, in Keller, Garage, Gartenhaus usw., im Kofferraum, aber auch abgefüllt in allen möglicher Behältnissen einschließlich Schläuchen, Kanistern u.a.m.

– Nächtliches Beseitigen von Flaschen-Batterien mit ausgeprägten Schuldgefühlen (aber gereizt in Abrede stellend, falls man dabei ertappt wird)

– Dezente Zeichen mangelnder Hygiene und beginnender Verwahrlosung, die mit dem früheren Bild des Betroffenen nicht in Einklang zu bringen sind und immer unübersehbarer werden

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Diesen Text haben wir den Seiten der RTEmagicC Uni Ulm.jpgUni-Ulm entnommen. Hier lesen Sie umfassende Informationen zum Thema Alkohol und mehr

faustAutor: Professor Dr. med Volker Faust