Passiv-Rauchen

Wer weder raucht noch trinkt, wird als sehr gesunder Mensch sterben.

Aus Georgien

 

Rauchen und Passivrauchen:

 

 Haben Raucher nur ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs?

Weltweit ist rund ein Drittel aller Krebsfälle mit Todesfolge auf das Rauchen zurückzuführen. Die Beziehung zwischen Rauchen und Lungenkrebs ist zwar besonders auffallend. Es ist jedoch heute zweifelsfrei erwiesen, dass Rauchen auch bei der Entstehung von Kehlkopf-, Mundhöhlen-, Magen- und Speiseröhrenkrebs eine wesentliche Rolle spielt. Raucher haben darüber hinaus ein erhöhtes Risiko für Blasen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs und wahrscheinlich auch für Nierenkrebs. Sogar beim virusbedingten Gebärmutterhalskrebs begünstigen die Schadstoffe aus dem Zigarettenrauch die Krebsentstehung.

Durch aktuelle Forschungen deutet sich auch ein Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und Prostatakarzinom an, diskutiert wird zudem ein Einfluss auf die Entstehung von Leukämie und Dickdarmkrebs. Für diese Tumorarten gilt der Zusammenhang mit dem Rauchen allerdings noch nicht als bewiesen.

Nicht vergessen werden darf neben dem Krebsrisiko die Gefahr für Herz, Gefäßsystem und Lunge.

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Wie hoch ist das Risiko insgesamt, durch das Rauchen zu sterben?

Statistisch gesehen wird ein Viertel der Erwachsenen, die als Teenager mit dem Rauchen begonnen haben, im Alter von 35 bis 69 Jahren, ein weiteres Viertel im Alter von etwa 70 Jahren an den direkten Folgen des Tabakkonsums sterben.

Die Anzahl der pro Tag gerauchten Zigaretten spielt dabei über die Jahre hinweg gesehen eine weniger wichtige Rolle. Entscheidend ist eher die Gesamtdauer. Im Vergleich zu Nichtrauchern verlieren Raucher bis zu 25 Jahre ihrer Lebenserwartung. Wer aufhört zu rauchen, kann diese Entwicklung zumindest teilweise rückgängig machen. Je früher dies geschieht, desto stärker gleicht sich das Risiko nach mehreren Jahren oder Jahrzehnten wieder an das Niveau eines Nichtrauchers an.

Macht es einen Unterschied, ob man Zigaretten, Zigarren, Pfeife oder Wasserpfeife raucht?

Je nach Untersuchung gibt es geringe Unterschiede in der Beurteilung des Risikos von anderen Formen des Tabakgenusses. Die Wissenschaft neigt jedoch dazu, Zigarren und Pfeife als ebenso gefährlich einzustufen wie Zigaretten: Unterschiede beschränken sich auf die bei den jeweiligen Konsumenten beobachteten Krebsarten. So ist das Pfeiferauchen mit einem höheren Risiko für Krebsarten am und im Mund sowie im Rachen verbunden, mit einem etwa halb bis gleichgroßen Risiko für Lungenkrebs, aber mit einem niedrigeren Risiko für Blasenkrebs.

Wasserpfeife

WHO-Zentrum für Tabakkontrolle

– Stellungnahme zur Wasserpfeife

Unter Jugendlichen sind seit einigen Jahren auch Wasserpfeifen oder „Shishas“ in; sie werden im Vergleich zu Zigaretten fälschlich als weniger gefährlich eingeschätzt. Diese Annahme bezeichnen Experten als Trugschluss: Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist auf entsprechende Gesundheitsgefahren in einer Stellungnahme hin (www.bfr.bund.de/cd/8954). Auch das WHO-Zentrum für Tabakkontrolle hat ein warnendes Dokument publiziert, unter

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Was ist von elektronischen Rauchhilfen zu halten?

Warnung des BfR

– www.bfr.bund.de

Auch die so genannten elektronischen „Zigaretten“, die seit einiger Zeit im Handel erhältlich sind, gelten keineswegs als ungefährlich. Diese Geräte verbrennen keinen Tabak, sondern „vernebeln“ eine Mischung aus Nikotin und Aromastoffen. In einer anderen Variante werden Zigaretten nur noch erhitzt, um das suchtauslösende Nikotin freizusetzen.

Nützt das Umsteigen auf leichte Zigaretten etwas?

Wahrscheinlich nicht. Die auf der Packung angegebenen Werte für Nikotin und Kondensat von Fertigzigaretten werden mit so genannten Rauchautomaten ermittelt. Auf die Praxis übertragbar sind die auf diese Weise gewonnenen Angaben nur bedingt: Der einzelne Raucher hat seine individuellen Gewohnheiten, was das Inhalieren und die Menge der Lungenzüge aus einer einzelnen Zigarette angeht. Viele Untersuchungen haben ergeben, dass die meisten „Umsteiger“ auf vermeintlich „mildere“ oder „leichtere“ Zigaretten einfach nur tiefer inhalieren und an einer Zigarette öfter ziehen, um auf die gleiche Menge Nikotin zu kommen wie mit ihrer gewohnten Marke. Damit steigern sie die Aufnahme entsprechender Schadstoffe enorm.

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Wie sieht es mit Kau- oder Schnupftabak aus?

Über die Krebsgefahr durch regelmäßiges Tabakkauen oder -schnupfen, das ebenfalls eine Nikotinzufuhr ermöglicht, sind sich Experten uneinig. Bei der Einschätzung spielt eine Rolle, dass es große nationale Unterschiede bei den Produkten auf dem Markt und ihrer Anwendung gibt. So wird der in den deutschsprachigen Ländern erhältliche trockene Schnupftabak in anderen Ländern kaum angeboten. Die skandinavischen Varianten, darunter der so genannten Snus, sind bei uns nur selten erhältlich. Viele dieser Zubereitungen zum Schnupfen oder Kauen sind zudem stark mit diversen Zusatzstoffen aromatisiert, sie können fermentiert oder unfermentiert sein, und sie unterscheiden sich im Feuchtigkeitsgehalt deutlich voneinander.

Kautabak und Snus

Fachleute gehen heute trotz dieser Unterschiede davon aus, dass über den Zusammenhang von typischen Schleimhautveränderungen als Krebsvorstufe und dem Gebrauch von Kautabak kein Zweifel mehr besteht. Sowohl die Menge und die Dauer als auch die Häufigkeit der Anwendung wirken sich deutlich aus. Im Mai 2007 veröffentlichte das schwedische Karolinska Institut eine Studie, nachdem der feuchte Snus-Tabak das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs verdoppeln kann (Dieses Ergebnis untermauert erste Hinweise aus früheren Untersuchungen zum Krebsrisiko durch geschluckten Tabaksaft aus Snus und den in den USA erhältlichen Varianten von Kautabak.

Schnupftabak – Auswirkungen unklar

Die Auswirkungen von Schnupftabak lassen sich noch schlechter einschätzen: Die Aussagen aus Tierversuchen sind zwar eindeutig, lassen sich jedoch schwer auf den Menschen übertragen, so der Einwand vieler Experten. Rein theoretisch enthält Schnupftabak die gleichen Inhaltsstoffe wie Rauchtabak, ein direkter Zusammenhang beispielsweise zu Krebserkrankungen der oberen Atemwege und der Nase lässt sich jedoch derzeit nicht mit ausreichender Sicherheit herstellen.

Kein Ersatz für die Zigarette

Sorge bereitet den Gesundheitsbehörden in Europa die Tendenz, von Zigaretten auf Kautabak und andere rauchlose Produkte umzusteigen, weil diese gerade von jungen Leuten als vermeintlich weniger gefährlich eingeschätzt werden. Da alle Kau- oder Schnupftabake die Sucht nach Nikotin verstärken oder auslösen, betrachtet die EU-Kommission sie aber schon aus diesem Grund auf keinen Fall als geeigneten Ersatz für das Rauchen, so der EU-Kommissar David Byrne 2002. Kautabak- und Schnupftabakpackungen trugen von 1998 an einen Hinweis auf die Krebsgefahr. Wegen der nicht ausreichenden Datenlage wurde dieser seit 2002 auf den Hinweis reduziert „Dieses Tabakerzeugnis kann Ihre Gesundheit schädigen und macht abhängig.“

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Wie gefährlich ist Passivrauchen?

Das Rauchverbot in Gaststätten und in öffentlichen Räumen sowie ein erweitertes Tabakwerbeverbot haben seit Ende 2006 Politik und öffentliche Diskussion stark beschäftigt. Im Juli 2008 hat das Bundesverfassungsgericht einzelne Länderregelungen zum Nichtraucherschutz wieder gekippt: Sie sahen wettbewerbsrechtliche Probleme bei den diversen Ausnahmebestimmungen der Bundesländer, die ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie durch die Zulassung von Raucherzimmern etc. umgingen.

Einwände gegen ein wirklich umfassendes Rauchverbot haben die Verfassungsrichter jedoch keineswegs: Dies sei mit dem Grundgesetz vereinbar (Pressemitteilung zum Urteil unter www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg08-078). Bis Ende 2009 haben die Länder nun Gelegenheit, ihre Gesetze durch Neuregelungen nachzubessern.

Keine Zweifel an den Risiken!

DKFZ-Publikation

– „Passivrauchen – ein unterschätztes Risiko“

Bereits im Dezember 2005 hatte das Zentrum eine entsprechende Publikation vorgelegt, in der „Roten Reihe“: „Passivrauchen – ein unterschätztes Gesundheitsrisiko“, online unter

2Auflage.pdf; ein Faktenblatt mit den wichtigsten Informationen gibt es unter Forscher des Zentrums und ihre Kooperationspartner gehen von

– etwa 2.140 Passivrauchern aus, die jährlich wegen des Mitrauchens an Herzerkrankungen sterben,
– von 770 die einen Schlaganfall nicht überleben,
– 260 Passivraucher sterben an Lungenkrebs,
– 50 an anderen Lungenerkrankungen, und
– etwa 60 Säuglinge sterben pro Jahr an den direkten oder indirekten Folgen des Zigarettenrauchens zu Hause oder ihre Mutter während der Schwangerschaft.

 

Durch diese Untersuchungsergebnisse werden auch die Anstrengungen vieler Länder verständlich, das Rauchen an öffentlichen Orten zu verbieten. Die Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe hat das Passivrauchen am Arbeitsplatz bereits 1985 in die Schrift „Maximale Arbeitsplatzkonzentrationen und Arbeitsstofftoleranzwerte“ (die so genannte MAK-Liste) aufgenommen. Heute wird Passivrauchen in dieser grundlegenden Liste zur Beurteilung einer möglichen Gefährdung im Beruf als eindeutig krebserregend bezeichnet.

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Wie sieht es mit dem Schutz von Kindern vor dem Passivrauchen aus?

DKFZ-Publikation

Jedes zweite Kind in Deutschland lebt in einem Haushalt, in dem mindestens eine Person raucht. Über sechs Millionen Kinder sind täglich Tabakrauch ausgesetzt. Dies komme, so das Deutsche Krebsforschungszentrum in einer Publikation im August 2003, einer Körperverletzung gleich: Schon bei Un- und Neugeborenen von Raucherinnen finden sich Abbauprodukte des Rauchs im allerersten Urin, der noch vor der Geburt gebildet wird. Die Abbauprodukte lassen sich in der Muttermilch nachweisen, darunter auch Nikotin, das den Säugling entsprechend unruhig werden lässt

Kinder bedroht

Als Folgen für die Gesundheit der betroffenen Kinder halten Experten vieles für möglich: Rauchende Schwangere müssen mit Frühgeburten und einer höheren Rate von Totgeburten rechnen; im Vergleich zum Durchschnitt ist das Geburtsgewicht der Kinder ist niedriger, der Kopfumfang kleiner, und später wachsen die Kinder schlechter.

Wird in Gegenwart von Kleinkindern geraucht, kann dies, so das Deutsche Krebsforschungszentrum, zu Asthma führen oder dies verschlimmern, zu Lungenentzündungen, Bronchitis und Mittelohrentzündungen. Selbst bei Kindern zählt das Passivrauchen schon für ihr späteres Lungenkrebsrisiko, vielleicht auch für das Risiko anderer Krebsarten mit. Der Geruchssinn leidet, Herz und Kreislauf sind weniger leistungsfähig; und die Experten schließen nicht einmal aus, dass Verhaltensstörungen bei Kindern mit dem Rauchen der Erwachsenen in ihrer Umgebung in Zusammenhang stehen.

– Für etwa 60 Säuglinge pro Jahr endet es tödlich, dass ihre direkte Umgebung nicht vom Glimmstängel lassen kann

WHO-Informationen zu Tabak

– www.who.int/tobacco/

Belegt sind diese Aussagen durch mehrere hundert Studien und Untersuchungen. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht das Problem des Passivrauchens als dringlich an und bezeichnet es als eine echte und nachhaltige Bedrohung für Kinder.

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Macht Nikotin oder der Teer das Rauchen so gefährlich?

Nikotin ist nur einer unter tausenden Inhaltsstoffen des Tabakrauchs. Diese Substanz ist mit ihrer anregenden und zugleich beruhigenden Wirkung auf das Nervensystem verantwortlich für die suchterzeugende Wirkung des Rauchens. In höherer Dosis gilt Nikotin als giftig. Für ein Kleinkind kann schon eine zerkaute Zigarette tödlich sein.

Direkt Krebs erzeugend sind jedoch überwiegend andere Stoffe. Deshalb wurden Nikotinpflaster und Nikotinkaugummis in Deutschland sogar rezeptfrei als Arzneimittel zur Raucherentwöhnung zugelassen. Rauch, Teer oder Kondensat bergen ganz andere Gefahren: Was ein Raucher einatmet oder auspustet und was im Aschenbecher verglimmt, ist in seiner Zusammensetzung nur bedingt vergleichbar mit Rauch, der beim Verbrennen von Holz, Kohle oder Öl entsteht. Allen gemeinsam sind allerdings Krebs erzeugende Produkte einer unvollständigen Verbrennung vom Typ der so genannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), die sich abhängig von Temperatur und anderen Faktoren in wechselndem Umfang bilden. Die wichtigsten sonstigen bisher nachgewiesenen oder stark verdächtigen Krebs erzeugenden Substanzen im Tabakrauch sind Nitrosamine, einige Metalle oder Metallsalze, zum Beispiel Nickel oder Cadmium.

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Sollten Menschen, die an Krebs erkrankt sind, mit dem Rauchen aufhören?

Ob Krebspatienten durch den Verzicht auf das Rauchen ihre Erkrankung direkt beeinflussen können, ist unklar; vermutlich ist der Verlauf überwiegend davon abhängig, ob nach einer Behandlung noch Krebszellen im Körper verblieben sind. Allerdings kann der Verzicht auf das Rauchen auch Krebspatienten enorm nützen: Schon relativ kurze Zeit nach der letzten Zigarette verbessert sich die Sauerstoffaufnahme in der Lunge. Langfristig vertragen Krebspatienten, die nicht rauchen, die Behandlung besser: Wunden heilen schneller, Medikamente belasten den Stoffwechsel weit weniger, und bei Schmerzen helfen schon viel geringere Mengen an Schmerzmitteln als bei Rauchern, weil der Körper nicht mit der Verarbeitung von Nikotin beschäftigt ist. Gerade die verbesserte Durchblutung und Sauerstoffversorgung kann die Wirksamkeit vieler Krebsmedikamente oder die einer Bestrahlungen verbessern, so das Rauchertelefon für Krebspatienten, das vom WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle am Deutschen Krebsforschungszentrum angeboten wird.

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Wer bietet Informationen und Unterstützung an?

Das WHO-Zentrum für Tabakkontrolle im Deutschen Krebsforschungszentrum bietet umfassende Informationen zum Thema Rauchen unter www.tabakkontrolle.de

Wer vom blauen Dunst loskommen will, findet Unterstützung beim

Rauchertelefon des Deutschen Krebsforschungszentrums

Montags bis Freitags 14 bis 18 Uhr unter 06221 – 42 42 00.

Über die gleiche Telefonnummer ist auch die Hotline „Rauchfrei am Arbeitsplatz“ erreichbar, die Arbeitnehmern und Arbeitgebern Hintergrundinformationen und Unterstützung bei Problemen im beruflichen Bereich vermittelt.

Darüber hinaus bietet das Deutsche Krebsforschungszentrum gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe das

Rauchertelefon für Krebspatienten und ihre Angehörigen

Montags bis Freitags zwischen 14 bis 18 Uhr unter 06221 – 42 42 24.

Hier beantworten erfahrene Experten alle Fragen rund um das Aufhören und helfen in der Übergangszeit.

 

Quelle: www.krebsinformationsdienst.de