Körperliche Hinweise

Körperliche Hinweise auf eine Alkoholkrankheit

Hinweise auf körperlichem Gebiet können natürlich beweiskräftig sein. Dies betrifft nicht nur einen einzelnen Rauschzustand, das geht auf eine Vielzahl von möglichen Auffälligkeiten zurück. Doch selbst das kann – streng genommen – auch andere Ursachen haben. Wer jedoch erst auf massive körperliche Auffälligkeiten hin reagiert, hat in der Regel schon viel Zeit verloren. Hier kann es dann im Interesse des Betroffenen geboten sein, seine Anstrengungen zu intensiveren, um so schnell wie möglich die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

Nicht nur der Rauschdrogenkonsum, auch der Alkoholismus macht einen anderen Menschen aus seinem Opfer, keinen schlechten, sondern einen kranken (Mitunter fällt es allerdings schwer, diese Erkenntnis zu akzeptieren und danach zu handeln…)

Welches sind nun die wichtigsten körperlichen Symptome, die an eine Alkoholkrankheit erinnern können, sofern – wie erwähnt – andere Ursachen ausgeschlossen wurden:

So genannte Tremor-Trias: erst feinschlägiges, dann stärkeres Zittern von geschlossenen Lidern, herausgestreckter Zunge, gespreizten Fingern, später evtl. sogar von Armen und Kop.

Appetitstörungen (besonders morgens: „keine Zeit zum Frühstücken“), trotzdem anfangs Gewichtszunahme (Alkohol-Kalorien), später deutlicher Gewichtsverlust, bis hin zur Abmagerung

Verdauungsbeschwerden aller Art:, vor allem anhaltende Verstopfung oder noch häufiger wässriger Durchfall, ferner Blähungen, Völlegefühl, Aufstoßen (Schädigung von Magen und Darm, Leber und Bauchspeicheldrüse)

Übelkeit und Brechneigung: (besonders morgens, z. B. beim Zähneputzen, wenn man irrtümlich an den Gaumen gerät)
Unausgeruht, müde und zerschlagen nach meist unruhigem Schlaf

Unspezifisches Durstgefühl: (nicht zuletzt durch die erheblichen Flüssigkeitsmengen, die z. B. beim Bierkonsum aufgenommen werden; muss beim Entzug mit reichlicher Zuführung von Selterwasser, Tee usw. Rechnung getragen werden!)

Ausgeprägte Schweißneigung: (auch tagsüber), vor allem an Händen und Füßen; nachts oft „völlig nassgeschwitzt“

Stechen, Klopfen, Brennen, Reißen in der Herzgegend, unregelmäßige Herzschlagfolge und Atemfrequenz

Schwindel, Schwächezustand, Kreislaufstörungen mit Kollapsneigung, gelegentlich sogar Anfälle von „unklarer“ Bewusstlosigkeit (zu trennen von „großen Krampfanfällen“ im Rahmen einer sogenannten „Alkohol-Epilepsie“)
Atemnot, chronische Bronchitis (teils durch allgemeine Minderung der Widerstandskraft, teils durch den zumeist mit dem Alkoholabusus kombinierten Zigarettenmissbrauch)
Meist „unklare“ Entzündungsneigung von Nase, Nasennebenhöhlen, Rachen, Bronchien, Lunge, Magenschleimhaut (bis zum Geschwürsdurchbruch), Bauchspeicheldrüse, Gallenblase, Harnwege, Harnblase, Vorsteherdrüse u. a.

Leichtecken unter dem rechten Rippenbogens Drü (Lebervergrößerung), besonders bei gebückter Haltung

Störungen von sexuellem Verlangen und Potenz (daher nicht selten Eifersuchtsszenen), gelegentlich aber auch sexuelle Überaktivität
Stechen, Brennen, reißende Schmerzen an den Beinen (seltener Armen), strumpf- bzw. handschuhförmige Missempfindungen (Ameisenlaufen, Kribbeln, Taubheit u. a.) an Armen und Beinen, brennende Fußsohlen (bei Bettwärme)

Schwäche in beiden Armen, vor allem Beinen (Fersengang unmöglich)

Gelegentlich Seh- und Pupillenstörungen, Augenmuskellähmung

Mitunter Stimmänderung (rauer, tiefer, heiser)

Schwammiges und aufgedunsenes Gesicht mit Neigung zu Rötung und Hautveränderungen (Akne) wie Pusteln, Knötchen, Krusten und schließlich Narben

Mundwinkel-Schrunden und -einrisse Nicht selten grau-bräunlicher bis blässlich-bräunlicher Grundton der Haut, fettige Haut, aber auch Hautschrumpfung durch Schwund des Bindegewebes und der Oberhaut, Bildung einer so genannten „Pergament- oder Geldscheinhaut“, weiße Flecken auf der Streckseite von Armen und Beinen

Zahnschäden (defektes, kariöses Gebiss)

Kopfbehaarung männlicher Alkoholiker gewöhnlich sehr dicht, bei der Frau zunehmend struppiges und brüchiges Haar, aber auch Haarausfall möglich

Brustentwicklung und Tendenz zu charakteristischer weiblicher Schambehaarung beim Mann, da Abbau weiblicher Sexualhormone durch die geschädigte Leber nur noch unzureichend möglich

Zunge oft braun-weißlich belegt

Feinere bis gröbere Gefäßerweiterungen im Gesicht (jedoch auch möglich bei Menschen, die viel an frischer Luft sind)

So genannte Gefäßspinnen (rote, spinnenartige Gefäßsternchen auf der Haut, die auf Druck abblassen, sich jedoch sofort wieder füllen), meist in Gesicht und am oberen Schultergürtel

Rötung am Daumen- und Kleinfingerballen, gelegentlich auch Fußballen

Korkenzieherartig gewundene Gefäße in der äußeren festen Hülle des Augapfels (Lederhaut)

Nägel, die weiß oder opal (milchig) gefärbt sind, mitunter mit Querbändern

Neigung zu Hautblutungen mit z. T. großflächigen Blutergüssen, zumeist in der Gegend von Schulter, Becken, Knien und Schienbeinen (Rausch: alkoholbedingte Gleichgewichtsstörungen mit häufigem Anstoßen), aber auch vermehrte Schleimhautblutungen

Erweiterte Venenzeichnung auf dem Brustkorb oder Bauch

Verdünnte Achsel- und Schambehaarung usw.

 

 

Diesen Text haben wir den Seiten der RTEmagicC Uni Ulm.jpgUni-Ulm entnommen. Hier lesen Sie umfassende Informationen zum Thema Alkohol und mehr