Häufige Fragen zum Rauchen

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Dr. Gerhard Kocher
 
Wer mit 100 noch raucht, wird nicht alt werden
 
 
 
 
 

Häufige Fragen zum Rauchen

Erfrischende Fragen und Antworten, frei vom Staub der suchtmedizinischen Sprache, mit überzeugendem praktischem Nutzen, veröffentlichte der Verein "nie-wieder-rauchen".

Was ist anders bei Ihrer Methode?

Warum setzen Sie sich so vehement für Raucher ein? Waren Sie selbst einmal Raucher?

Wie haben Sie es sich denn abgewöhnt?

Suchtattacken abwehren — wie geht das?

Ab wann ist man Raucher? Ist die Zigarette nach dem Essen bereits Sucht?

Ich rauche nur eine Zigarette am Tag! Das ist eine häufige Ausrede von Rauchern. Was antworten Sie darauf?

Mein Wille aufzuhören ist nicht stark genug …

Und das Angenehme der Zigarette?

Rauchen entspannt mich, ich kann mich besser konzentrieren …

Wenn ich aufhöre, werde ich dick …

Ich rauche nur Light-Zigaretten …

Wie höre ich mit dem Rauchen auf?

Wie sieht denn das mentale Training aus? Sie hatten anfangs davon gesprochen …

Was bieten Sie denn für Raucher an, um sie von dieser Sucht zu heilen?

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Was ist anders bei Ihrer Methode?

Bei den meisten Methoden wird der Wille in den Vordergrund gestellt. Das setzt die Raucher unter Druck. Das gibt es bei mir nicht. Und das hat einen Grund: Nikotin macht genauso schnell und stark abhängig wie Heroin und Kokain. Keinem Kokainsüchtigen würde man sagen: "Du musst es nur wollen!"

Ich sage den Rauchern: Nicht Dein Wille ist entscheidend, sondern Du brauchst jemanden, der Dir den Weg aufzeigt. Mit einzelnen Schritten, die Du sicher bewältigen kannst.

Deshalb habe ich ein praxisnahes Programm entwickelt. In 30 Schritten zum Nichtraucher. Der Trick ist: Man muss sich nur auf den nächsten Schritt konzentrieren und erreicht mit kleinen Schritten große Wirkung.

Das ist aber noch nicht alles: Mein Programm ist erfolgreich, weil ich zwei Dinge kombiniere: das Beste aus Verhaltenstherapie und mentalem Training für Leistungssportler. Hier arbeite ich mit Prof. Eberspächer zusammen, einem führenden deutschen Sportpsychologen und Berater deutscher Sportgrößen.

 

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Warum setzen Sie sich so vehement für Raucher ein? Waren Sie selbst einmal Raucher?

Ja, ich war selbst Raucher. Mit zehn Zigaretten habe ich mir eingeredet, ich bin nicht so schlimm wie die anderen.

Als ich aber aufhören wollte, habe ich gelitten. Ich kenne die seelischen und körperlichen Qualen — und ich kenne alle Ausreden. Schließlich habe ich mir jeden Tag vorgenommen, mit dem Rauchen aufzuhören. 20 Jahre lang.

Gleichzeitig bin ich Arzt. Ich weiß, dass sich nur wenige meiner Kollegen um die Raucher kümmern. Die einzige Botschaft von Ärzten an Ihre Patienten lautet: Hören Sie einfach auf. Manchmal drückt dieser Satz Gleichgültigkeit, manchmal aber auch Verachtung aus, meist ist es aber Hilflosigkeit. Dabei ist Nikotinsucht eine von der WHO anerkannte Krankheit. Und um diese Kranke muss ich mich genau so kümmern wie um andere.

 

Wie haben Sie es sich denn abgewöhnt?

Erstens: Ich habe gelernt, Nikotinsucht zu verstehen. Daraus habe ich auch mein Verhalten verstanden: warum, wann und wo ich rauche. Ich habe verstanden, warum mir der Cappuccino nur mit der Zigarette geschmeckt hat. Warum ich unter Stress geraucht haben. Warum in meinem täglichen Leben immer bestimmte Situationen und Handlungen mit der Zigarette gekoppelt waren.

Zweitens: Als ich verstanden habe, warum ich rauche, habe ich für mich ein simples Programm entwickelt, um mich wieder davon zu befreien. Mich haben trotzdem schwere Suchtattacken heimgesucht. Das wichtigste war deshalb, ein Programm zu haben, diese Sucht zu überwinden.

 

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Suchtattacken abwehren — wie geht das?

Zunächst muss man intensiv auf den ersten Tag ohne Zigarette vorbereitet sein. In den ersten zwei Wochen meines Gruppenkurses wird weitergeraucht. In dieser Zeit probieren wir aus, wie das ist, wenn man einmal auf seine schwierigste Zigarette verzichten muss, z. B. auf die Morgenzigarette oder die Geselligkeitszigarette.

Probieren Sie das ruhig einmal selber aus und beobachten Sie, was mit Ihnen passiert. Anhand dieser Erfahrung ist man gewappnet auf den ersten rauchfreien Tag und kann schon einmal die Abwehrmechanismen testen.

Der wichtigste Pluspunkt für Raucher: Die Suchtattacke dauert maximal 10 bis 15 Minuten. Wenn man es schafft, diese 15 Minuten ohne Zigarette auszuhalten, hat man schon den ersten Sieg davongetragen.

Eine sehr einfache Regel, die Suchtattacken zu überwinden, ist die 3-A-Regel: abhauen, ablenken, abwehren. Abhauen meint z. B., einfach die Rauchsituation für 20 Minuten verlassen: Aus der Kneipe an die frische Luft gehen, nicht mehr mit den Rauchern auf dem Balkon stehen, bei der aufregenden Fußballübertragung kurz in die Küche gehen.

Natürlich treten am ersten rauchfreien Tag die Suchtattacken sehr häufig auf. Die gute Botschaft: Es wird bald besser. Schon nach sieben bis acht Wochen werden Sie kaum noch Verlangen nach einer Zigarette verspüren.

 

Ab wann ist man Raucher? Ist die Zigarette nach dem Essen bereits Sucht?

Nikotinsucht ist eine individuelle Sache. Die einen rauchen eine Zigarette und kommen ihr Leben lang nicht davon los. Die anderen Raucher rauchen ihr Leben lang und können abrupt aufhören. Das ist ein bisschen ungerecht. Es scheint also eine gewisse genetische Veranlagung für diese Sucht zu geben.

Trotzdem kann man sagen: wenn Sie ständig nach dem Essen eine Zigarette rauchen, sind Sie abhängig. Bei der täglichen Zigarette nach dem Essen macht das Gehirn einen Lernprozess durch, nämlich dass Sie sich immer nach dem Essen mit einer Zigarette belohnen.

Wenn dann einmal nach dem Essen eine Zigarette fehlt, tritt sofort ein unbändiges Verlangen nach der Zigarette auf. Dieser Drogenhunger ist ein typisches Merkmal der Sucht. Überprüfen Sie doch mal selber, ob Sie eine Zigarette einfach so weglassen könnten. Wenn nicht — schlecht!

Neben dem Drogenhunger gibt es ein weiteres Merkmal der Sucht: Die Drogensuche. Stellen Sie sich vor, es ist Samstag Abend, 21 Uhr, und Sie haben keine Zigaretten und keine drei Euro mehr. Für einen richtigen Raucher ist das eine Horrorvorstellung. Für Ihn beginnt jetzt die rastlose Drogensuche.

Wer etwas älter ist, kennt noch die Camel-Werbung mit dem Slogan: Ich gehe meilenweit für eine Camel. Das ist sehr treffend ausgedrückt.

 

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Ich rauche nur eine Zigarette am Tag! Das ist eine häufige Ausrede von Rauchern.
Was antworten Sie darauf?

Zunächst: Ich kenne kaum jemanden, der nur eine Zigarette am Tag raucht. Gelegenheitsraucher sind sehr selten. Es macht natürlich schon einen Unterschied aus, ob ich nur 5 oder 20 Zigaretten am Tag rauche. Was die Abhängigkeit angeht, kann jemand, der nur 5 Zigaretten am Tag raucht, beim Aufhören genauso leiden, wie jemand, der 20 Zigaretten raucht.

Doch Achtung: Oft ist es so, dass ein Raucher, der nur 5 Zigaretten raucht, sich genauso viel Nikotin aus der Zigarette holt, wie jemand, der 20 Zigaretten raucht. Der Trick: Solche Raucher inhalieren tiefer und machen mehr Züge pro Zigarette.

Für alle, die noch zweifeln: auch mit 5 Zigaretten lohnt es sich aufzuhören. Sie reduzieren natürlich Ihr Gesundheitsrisiko. Das ist aber nicht alles. Wer aufhört zu rauchen verbessert seine Haut, seinen Atem, seine Zähne, spart Geld, nimmt die Sorge von der Familie, ist Vorbild für die eigenen Kinder und muss sich nicht mehr die Hacken ablaufen für eine Zigarette.

 

Mein Wille aufzuhören ist nicht stark genug …

Bei dieser Ausrede unterscheide ich in zwei Gruppen: Die erste Gruppe sind diejenigen, die es schon oft versucht haben und immer gescheitert sind. Denen sage ich: nur einer von 20 Rauchern schafft es auf eigene Faust, die Zigarettenschachtel einfach in den Mülleimer zu werfen.

Ich rate hier Hilfe in Anspruch zu nehmen. Konsultieren Sie Ihren Arzt, schließen Sie sich einer Rauchergruppe an oder besuchen Sie eines meiner Seminare.

Dann gibt es die zweite Gruppe. Diese Gruppe schiebt den mangelnden Willen nur vor. Sie haben Angst vorm Versagen und fürchten, mit ihrer liebgewonnenen Zigarette etwas Wesentliches und Angenehmes für immer zu verlieren.

Solchen Rauchern rate ich: Haben Sie keine Angst vorm Aufhören. Wenn Sie jedoch versuchen, unvorbereitet mit dem Rauchen aufzuhören, kommen Sie so unter Druck, dass ein Scheitern vorprogrammiert ist. Wenn Sie aber vorbereitet sind, werden Sie staunen, welche Willensstärke Sie plötzlich entwickeln und welche Kräfte freiwerden.

In meinen Gruppen höre ich oft bei denen, die es schon geschafft haben: "Ich habe nicht gedacht, dass es so leicht sein könnte."

 

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Und das Angenehme der Zigarette?

Der Raucher ist es gewohnt, in bestimmten Situationen und Handlungen immer eine Zigarette zu rauchen. Das ist ein Lernprozess im Gehirn. Wenn er in derartige Situationen gerät, braucht er dann unbedingt seine Zigarette.

Dieser Mechanismus ist aber kein Schicksal. Das kann man umprogrammieren. Fragen Sie sich: Haben Sie als Kind eine Zigarette gebraucht, um genießen zu können? Sie brauchen es auch heute nicht.

 

Rauchen entspannt mich, ich kann mich besser konzentrieren …

Stimmt, beim Rauchen entspannt man scheinbar prima. Nikotin ist eine Superdroge, sie gibt uns immer genau das, was wir gerade brauchen. Fühlen wir uns müde, putscht sie uns auf. Sind wir nervös und abgespannt, holt sie uns wieder runter und entspannt uns. Nikotin hält unsere Stimmungslage immer in Balance.

Aber: all das ist nur kurzfristig. Und der Raucher ist dabei gezwungen, mit der Aufnahme von Nikotin gleichzeitig 4.000 Giftstoffe einzuatmen, mindestens 40 davon sind hochtoxisch bzw. verursachen Krebs. Unter anderem versteckt sich im Rauch das radioaktive Element Pollonium.

Das ist aber noch nicht alles. Raucher inhalieren mit einem Lungenzug genauso viel Kohlenmonoxid wie aus einem Autoauspuff kommt. Und Kohlenmonoxid hat die Eigenschaft, uns den wichtigen Lebensspender Sauerstoff aus dem Blut zu vertreiben. Und damit sind die positiven Aspekte des Nikotin wieder weg.

 

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Wenn ich aufhöre, werde ich dick …

Dick wirst Du beim Aufhören nur, wenn Du nicht aufpasst. Zugegeben, ein, zwei Kilo kommen sicher drauf. Warum? Erstens: Nikotin bewirkt, dass der Raucher im Gegensatz zum Nichtraucher etwas mehr Kalorien verbraucht. Anders gesagt, Raucher verbrennen mehr Kalorien. Zweitens: Nikotin wirkt als Hungerbremse, die beim Nichtrauchen natürlich ausfällt. Drittens: Beim Aufhören belohnt sich der Exraucher statt mit einer Zigarette meist mit etwas Süßem.

Dem Dickwerden kann man aber beim Aufhören begegnen. Nach dem Motto: Nur die Fette machen fett. Also statt Süßigkeiten, die eigentlich heute Fettigkeiten sind, lieber Anti-Raucher-Snacks: Äpfel, Bonbons, Gummibärchen, etwas, was man mag.

Natürlich lässt sich der Kalorienverbrauch auch ankurbeln. Zum Beispiel, indem man das Fahrrad herausholt, zum Briefkasten zu Fuß geht, Treppen steigt usw. Darüber hinaus ein wenig Sport zu treiben, ist sicher nicht falsch.

 

Ich rauche nur Light-Zigaretten …

Dass Light-Zigaretten weniger gefährlich sind, ist leider ein Märchen. Der Tabak von Light-Zigaretten ist der gleiche wie bei normalen Zigaretten. Die Tabak-Industrie macht nur mehr Löcher in den Filter. Dadurch soll der Rauch beim Lungenzug verdünnt werden. Das funktioniert aber nur, wenn man die Finger vom Filter lässt.

Zudem hat man festgestellt, dass Light-Raucher, um auf ihren gewohnten Nikotin-Spiegel zu kommen, einfach tiefer inhalieren und mehr Züge pro Zigarette machen.

Man hat sogar festgestellt, dass eine bestimmte Lungenkrebsart bei Light-Rauchern häufiger auftritt als bei Normal-Rauchern.

 

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Wie höre ich mit dem Rauchen auf?

Ohne Hilfe von außen schafft es nur einer von 20, mit dem Rauchen aufzuhören. Mein Rat an Sie: Suchen Sie sich Unterstützung bei Ihrem Arzt oder in einer Rauchergruppe.

Wenn Sie es tatsächlich alleine versuchen wollen, rate ich Ihnen Folgendes: Versuchen Sie es nicht mit der Reduzierungsmethode — am Anfang 25 Zigaretten, dann 20, dann 15 usw. Das funktioniert nicht.

Am effektivsten ist die Schlusspunkt-Methode mit vorhergehendem Aufhörtraining. Nichtrauchen kann man nämlich erlernen. Das Aufhörtraining besteht z. B. darin, dass Sie einmal auf Ihre schwierigste Zigarette verzichten, um zu spüren, wie sich das anfühlt und um damit umgehen zu lernen.

Ein weiterer Tipp: Verheimlichen Sie nicht Ihren Rauchverzicht. Holen Sie sich Unterstützung von Familie und Kollegen nach dem Motto: anfeuern hilft! Halten Sie sich kein Hintertürchen offen.

Dann suchen Sie sich Ihren Aufhörtag aus, den Tag, an dem Sie abrupt mit dem Rauchen aufhören. Dieser Tag sollte ein besonderer sein. Am besten ein Samstag oder Sonntag. Dieser Tag ist von Natur aus stressfrei, es besteht kein Arbeitsdruck, es sollte auch kein Geburtstag oder eine Feier bei Freunden sein. Vermeiden Sie an diesem Tag jegliche Versuchung. Auch Briefe vom Finanzamt bleiben ungeöffnet. Und dann: viel Glück.

Ansonsten gilt: Geraten Sie in Versuchung zu rauchen, denken Sie immer daran, dass die Suchtattacke maximal 15 Minuten andauert. In dieser Zeit hilft die bereits beschriebene 3-A-Regel: ablenken, abhauen, abwarten.

 

Wie sieht denn das mentale Training aus? Sie hatten anfangs davon gesprochen …

Mentales Training ist zur Überwindung der Suchtattacken unbedingt notwendig. Ein ganz wichtiges Element ist dabei das Selbstgespräch. Das Selbstgespräch ist ein Gespräch, das wir ständig mit uns führen um etwas zu planen, etwas zu entscheiden oder etwas zu bewerten.

Wenn die Suchtattacke kommt, schwanken die Gedanken im Selbstgespräch des Rauchers ständig zwischen Zuversicht und Zweifel, es zu schaffen oder nicht. Hier beginnt die kritische Phase des Selbstgespräches. Jetzt darf das Selbstgespräch nicht kippen.

Leistungssportler werden, um Erfolg zu haben auf dieses Gespräch trainiert. Vielleicht erinnern Sie sich, dass Boris Becker oft Niederlagen so erklärte: "Ich war mental einfach nicht gut drauf." Wenn Sie einmal das mentale Training kennen und nutzen gelernt haben, werden Sie über diesen Satz nicht mehr lachen. Fazit: Auch der Raucher muss sein Selbstgespräch trainieren um Erfolg zu haben.

 

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Was bieten Sie denn für Raucher an, um sie von dieser Sucht zu heilen?

Natürlich rate ich zunächst jedem, sich vertrauensvoll an den Hausarzt zu wenden. Mein Team und ich bieten darüber hinaus verschiedene Möglichkeiten an. Zum Beispiel den Rhein-Neckar-Kurs für alle Radio-Regenbogen-Hörer. Dann gibt es bei uns auch individuelle Beratung im Einzelcoaching.

Für Leute, die glauben, es nicht in Ihrer gewohnten Umgebung zu schaffen und deswegen beim Aufhören losgelöst sein wollen von Familie und Beruf, bieten wir das Mallorca-Seminar an. Für Firmen und deren Mitarbeiter gibt es Firmenseminare. Schließlich spart jeder Ex-Raucher dem Unternehmen mindestens 2.000 Euro im Jahr. Am meisten profitiert aber natürlich der Raucher selbst!

Quelle:
beantwortet von Dr. Carewicz in der Sendung von Moderatorin Bianca Seipp auf Radio Regenbogen.