Das sind die tödlichsten Drogen Deutschlands

Verschiedene Faktoren bestimmen, wie gefährlich eine Droge ist. Dazu gehört, wie viele Menschen an ihr sterben, wie schnell sie süchtig macht, den Körper und die Persönlichkeit zerstört. Das Drogen-Ranking berücksichtigt alle Aspekte – und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

  • Alkohol hat den weitestreichenden Effekt – für den Trinker, seine Umgebung und die Gesellschaft.
  • Heroin gilt als das "tödlichste" Gift – die Junkie-Droge zehrt den Körper aus.
  • Cannabis ist umstritten – Mittel zur Entspannungoder Einstieg in die Sucht?

Harmlos ist keine einzige Droge. Allerdings haben manche Drogen ein höheres zerstörerisches Potenzial als andere. Wie groß es ist, hat der britische Psychaiter und Drogenforscher David Nutt schon 2010 für Großbritannien analysiert. 2015 veröffentlichten er und seine Koautoren den Bericht „European Rating on Drug Harms“. Drogenexperten quer durch die EU werteten das Risikopotenzial von 20 psychoaktiven Substanzen. Die Daten lassen sich auf Deutschland übertragen.

Drogen schaden nicht nur dem Konsumenten selbst

Das Besondere: Die Reihenfolge der Gefährlichkeit definiert sich nicht nur durch das Risiko für den Konsumenten. Die 16 Kriterien reichen von persönlichen Schäden an Körper und Psyche, über Schäden im sozialen Umfeld durch Scheidung, Jobverlust und gesellschaftlichen Abstieg bis zu gesellschaftlichen Schäden durch Belastung des Gesundheitssystems oder die Gefährdung Dritter.

Alle Schäden zusammengenommen rangiert Alkohol weit vor Heroin, Crack und Crystal Meth. Nimmt man nur die individuellen Schäden für den Konsumenten, rutscht Alkohol allerdings hinter Kokain auf die fünfte Position. Dennoch: Es sterben mehr als 100-mal so viele Menschen an Tabak und Alkohol wie an harten Drogen.

1. Alkohol – Suchtstoff  mit dem größten Schaden

Von dem Stoff, der für viele Menschen ein Genussmittel ist, sind die meisten anhängig. Alkohol ist volkswirtschaftlich die teuerste Sucht. Außerdem verursacht Alkohol die meisten Schäden für Dritte. Fast acht Millionen Menschen trinken so viel, dass sie ihre Gesundheit, den Job, das Familienleben riskieren. 1,77 Millionen Menschen kommen ohne Alkohol nicht mehr klar. Mindestens 74.000 Menschen sterben pro Jahr an den Folgen der Sauferei.

2. Heroin – die tödlichste Droge

Die Substanz auf Basis von Rohopium gilt als die tödlichste Droge. Konsumenten haben das 50-fache Sterberisiko verglichen mit der Allgemeinbevölkerung. Der schnelle, intensive Rausch birgt hohes Suchtpotenzial. Der Grad zwischen Rausch und Vergiftung  ist sehr schmal. Von den 1226 Drogentoten in Deutschland 2015 starben die meisten nach dem Konsum beziehungsweise an einer Überdosis von Heroin. Rund 150.000 Menschen in Deutschland hängen an der Nadel.

3. Crack – verheerend, aber eine Randerscheinung

Crack ist die Droge mit dem schnellsten Abhängigkeitspotenzial und mit dem größten mentalen Effekt. Crack-Abhängige verändern sich und wirken oft aggressiv. Der sehr kurze Rausch fordert Nachschub in schneller Folge. Ein hoher Konsum führt zu körperlichem und geistigem Verfall sowie sozialer Verwahrlosung. In Deutschland ist Crack von der Größenordnung her eher eine Randerscheinung.

4. Crystal Meth – eine Droge im Aufwind

Methamphetamin, das billige Aufputschmittel der Unterschicht, findet zunehmend Abnehmer, die sich Leistungssteigerung davon versprechen. Meth spendet ein intensiveres und länger anhaltendes Gefühl von Wachheit, Klarheit und Energie als Kokain. Es macht schnell abhängig. Der  Langzeitgebrauch hat verheerende körperliche und geistige Folgen: Die Droge verzehrt die physischen Reserven, schädigt Haut, Haare und Zähne, löst Persönlichkeitsveränderungen, Psychosen und Paranoia aus.

5. Kokain – die Droge der Reichen und Schönen

Weil Koks teuer ist, gilt es als Droge der Führungskräfte und Kreativen. Charakteristisch ist die starke psychische Abhängigkeit. Körperlich drohen Intensiv-Konsumenten Herz- und Atemprobleme, psychisch entwickeln Dauer-Kokser Wahnvorstellungen. Weniger als ein Prozent der Deutschen konsumieren regelmäßig Kokain, rund 80.000 gelten als abhängig.

6. Tabak – das unterschätzte Suchtpotenzial

Traditionell als Genussmittel deklariert, verfügt Tabak über ein höheres Abhängigkeitspotential als manche illegale Droge. Die Entwöhnung schafft nur jeder dritte Konsument. Raucher erleben keinen Rausch, der den Alltag beeinträchtigen könnte. Sie schaden in erster Linie sich selbst. Und sie belasten das Gesundheitssystem durch schwere Folgekrankheiten. Etwa 5,6 Millionen der Erwachsenen zwischen 18 und 64 gelten als nikotinsüchtig. In Deutschland gibt es rund 110.000 Tabaktote im Jahr.

7. Amphetamin – wach und immer in Bewegung

Wie alle Stimulanzien erhöht Amphetamin (Speed) das Selbstbewusstsein und steigert die Leistungsfähigkeit. Amphetamin erhöht aber auch den Blutdruck und verengt die Blutgefäße, kann so zum Herzinfarkt führen. Langfristig sind Nierenschäden oder Psychosen möglich. Etwa 40.000 Deutsche sind von Amphetaminen (auch Crystal Meth) abhängig.

8. Cannabis – der entspannte Drogeneinstieg

Marihuana und Haschisch lassen den Konsumenten die Umwelt intensiv wahrnehmen. Die Droge  macht gleichzeitig träge und müde. Da sie auch die Koordination beeinträchtigt, besteht ein hohes Gefahrenpotenzial im Straßenverkehr. Auf lange Sicht kann der Konsum eine Schizophrenie oder Psychose begünstigen. Körperlich gilt die Droge nicht als besonders gefährlich. Knapp drei Millionen Bundesbürger konsumieren Cannabis, zehn Prozent werden abhängig. Wer jung mit dem Konsum beginnt, ist besonders gefährdet und anfällig für andere Drogen.

9. Liquid Ecstasy – die Droge, die andere willenlos macht

Die synthetische Droge GHB ist bekannt unter der Bezeichnung K.O.-Tropfen, da sie narkotisieren und die Erinnerung löschen kann. Bei geringer Dosierung hat Liquid Ecstasy einen aufputschenden und sexuell stimulierenden Effekt. Vor allem zusammen mit Alkohol besteht die Gefahr des Atemstillstands.

10. Benzodiazepine – Drogen aus der Apotheke

Beruhigungsmittel oder Tranquilizer machen einen Großteil der Medikamente aus, von denen 1,3 bis 2,3 Millionen Deutsche abhängig sind. Benzodiazepine lösen Ängste, entspannen die Muskeln und machen ruhig – etwa das bekannte Valium. Das Abhängigkeitspotenzial ist viel höher als viele Konsumenten annehmen.

Es gibt keine harmlose Droge

Wenn es nach der Drogenbeauftragten der Bundesregierung geht, sollten alle Substanzen, die anhängig machen, als gleich gefährlich gelten. Marlene Mortler sagt: „Jede Droge ist Betrug am Gehirn.“

 

Quelle: Focus.de